Ludwigsstadt
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Die Geschichte von Ludwigsstadt

Die Stadt Ludwigsstadt liegt im Tal der Loquitz, einem linken Nebenfluß der Saale. Ihre südliche Gemarkungsgrenze überspringt teilweise den Kamm des Gebirges, der hier die Wasserscheide zwischen Main/Rhein und Saale/Elbe bildet. Geographisch liegt die Großgemeinde Ludwigsstadt im Thüringisch-Fränkischen Schiefergebirge, touristisch im Naturpark Frankenwald in einer Höhenlage von 350m (Falkenstein) bis ca. 730m (bei Lauenhain).

Ludwigsstadt wurde erstmals am 24. Juni 1269 urkundlich als "Ludewichsdorf" erwähnt. Die in lateinischer Sprache verfaßte Urkunde belegt unter anderem auch, daß ein Vogt "Ludwig, Vogt von Ludewichsdorf" seinen Sitz hier hatte. Historiker vermuten, daß der Ort seinen Namen eben diesen Vogt "Ludwig" verdankt; sicher ist dies aber nicht.

Die Gründung der heutigen Stadt Ludwigsstadt und seiner Ortsteile Ebersdorf, Lauenstein, Lauenhain, Ottendorf und Steinbach an der Haide fällt in die Zeit des ausgehenden 11. und beginnenden 12. Jahrhunderts.

Nachdem 1056 die zeitweise im Saalfelder Exil lebende polnische Königin Richeza (eine Tochter des Pfalzgrafen Ezzo von Lothringen) ihre mitteldeutschen Besitzungen dem Erzstift Köln geschenkt hatte kam es 1071 zur Gründung des Benediktinerklosters Saalfeld. Von diesem Kloster ging in der Folge die Rodung der Urwälder des Schiefergebirges und die Besiedlung dieses Landstriches aus.
Es entstand unter der Führung der Herren von Könitz die Rodungsherrschaft Lauenstein. Nach der Gründung des Dorfes Lauenstein im ausgehenden 11. Jahrhundert errichteten sie um die Mitte des 12. Jahrhunderts die erste Anlage der Burg Lauenstein. Im Zuge der Rodungstätigkeit entstanden nach und nach die Orte der späteren Herrschaften Lauenstein, Gräfenthal und Lichtentanne.   

Der Bedeutung des Ortes wurde Rechnung getragen, als Graf Otto von Orlamünde, Herr zu Lauenstein, am 15. August 1377 "Ludwigstorff" das Marktrecht verlieh und dazu den Ort mit weiteren Rechten ausstatte . Diese Privilegien, erneuerten am 18. April 1490 die Besitzer der Herrschaft Lauenstein, Reichserbküchenmeister Philipp von Seldeneck und Jacob Heimburg und erweiterten sie zum Stadtrecht.

Ab diesem Zeitpunkt wird der Ortsname in den zeitgenössischen Dokumenten "Ludwigstadt, Lutzstadt oder Luderstatt" geschrieben. Die Urkunde ist betitelt: "der Stadt Ludwigsstadt Privilegia Statuta und Freyheiten, wie solche ihnen von Philipp von Seldeneck, des Heiligen Römischen Reiches Erbküchenmeister, und Jacob Heimburg zu Lauenstein, anno 1490 sind ertheilet worden".
Die Zugänge zur Stadt waren ursprünglich durch drei Tore gesichert, von denen das letzte 1881 einem Großfeuer zum Opfer fiel. Ansonsten hatte die Stadt keine geschlossene Umwehrung.  

Neben der Kirche - im Mittelpunkt des Ortes - befand sich der geräumige Gemeindekeller, in dem die Bürger ihr selbstgebrautes Bier lagern durften. Auf dem Keller errichtete der Rat auf Geheiß Jacob Heimburgs eine Stadtburg "weil sonst keine Befestigung zur Wehr dienend um den Marktflecken Ludwigstadt sei, damit man in Anstößen und Kriegsläuften dahin Flucht, Rettung und Aufenthalt nehmen und Gegenwehr tun könne und bei gewaltsamen Einfällen Sicherheit haben möge". Später wurde diese Stadtburg als Schule eingerichtet (jetzt evang. Gemeindehaus).

Die Grafen von Orlamünde (altes thüringisches Herrschergeschlecht) waren bis 1427 als Besitzer und bis 1430 als Lehensherren des Markgrafen von Brandenburg auf Burg und Herrschaft Lauenstein zu der Ludwigsstadt gehörte. Nach dem Verkauf der Herrschaft an die thüringischen Grafen von Gleichen (1430) wechselnden die Besitzer häufig.

Als 1525 der Bauernaufstand losbrach, wiegeln die Ludwigsstädter die übrigen Ortschaften der Herrschaft: Ottendorf, Lauenhain, Ebersdorf, Lauenstein, Steinbach an der Haide und Tettau gegen ihren Herrn Friedrich von Thüna auf. Sie zogen vor das Schloß Lauenstein und überbrachten dem thüna‘schen Vogt mündlich ihre Beschwerden und Forderungen. Dieser forderte sie auf ihre Anliegen schriftlich einzureichen, was dann auch geschah. Am 25. April überreichten Rat und Gemeinde zu Ludwigsstadt Friedrich von Thüna schriftlich ihre Beschwerden und wiesen dabei auf viele Mißstände in der Herrschaft hin (u. a. zu hohe Abgaben und Steuern, die zum Teil gewaltsam eingetrieben wurden, wegen der Jagd und wegen der Waldbewirtschaftung).

Der Aufstand endete unblutig. Die Strafen waren aber dennoch hart. Neben der Verhängung empfindlicher Geldstrafen für die Bürger verlor Ludwigsstadt seine Privilegien (Stadt- und Marktrechte).

Fast 400 Jahre lang versuchte Ludwigsstadt seine alten Rechte wieder zu erlangen. 1540 wurden die alten Privilegien abgeschrieben und neu ausgefertigt. Aber erst 1551 ließ Christoph von Thüna der Ältere sie den Bürgern Ludwigsstadts wieder zustellen. Weil diese jedoch mit den bisherigen nicht vollständig übereinstimmen nahm der Rat dieselben nicht an. Erst 1579 wurde erneut eine Abschrift zur Bestätigung an die kaiserliche Kanzlei in Prag gesandt, wofür die Ludwigsstädter 20 Taler überwiesen. Da sie aber weitere 22 Goldgulden für die Auslösung bei der kaiserlichen Kanzlei nicht bezahlten, verlief die Sache im Sande.

1659 und 1717 gaben die Markgrafen von Brandenburg Bayreuth Ludwigsstadt die Marktrechte teilweise zurück. Das Stadtrecht selbst erlangte Ludwigsstadt erst wieder im Jahre 1953 (Urkunde des Bayerischen Innenministeriums vom 30. September 1953).

Schon seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert war die Montanindustrie für Ludwigsstadt und das obere Loquitztal ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. War die Herrschaft ursprünglich landwirtschaftlich geprägt, änderte sich dies nach 1470 mit der Errichtung von Eisenhammerwerken und einer Saigerhütte (Kupferschmelzhütte) unterhalb Ludwigsstadts. Diese Hütte, 1486 erstmals erwähnt, betrieben Nürnberger und zeitweise Leipziger Kaufleute. Sie entwickelte sich schnell zu einer der bedeutenden Saigerhütten im Thüringer Wald. Verhüttet wurde "Schwarzkupfer" aus dem Mansfeld – Eislebener Kupferschieferbergbaugebiet. Es bestanden Handelsverbindungen über ganz Europa. Von 1583 – 1619 waren die benachbarten Saigerhütten Gräfenthal und Ludwigsstadt unter der Bezeichnung "Gräfenthalische Gesellschaft" zusammengeschlossen. Betreiber waren Nürnberger Kaufleute. Von 1619 bis zu ihrer kriegsbedingten Einstellung 1631 war die Saigerhütte im Besitz der Stadt Leipzig.

Neben diesem Großbetrieb spielten über Jahrhunderte mehrere Eisenhämmer und ein Kupferhammer eine große wirtschaftliche Rolle in Herrschaft und Amt Lauenstein. Daneben entstanden im 16. Jahrhundert eine Reihe von Mahl, Schneid und Ölmühlen um Ludwigsstadt. 1529 privilegiert Friedrich von Thüna für das Tuchmacherhandwerk die Errichtung einer "Walkmühle in der Au".

In der aufstrebenden Bürgerschaft bilden sich nach und nach verschiedene Institutionen heraus. So wurde 1612 die Schützengesellschaft Ludwigsstadt erstmals schriftlich erwähnt.

Der 30jährige Krieg brachte die positive wirtschaftliche Entwicklung zum Stillstand. Ab 1632 brach der Krieg mit all seinen Grausamkeiten auch über das Amt Lauenstein herein. In diesem Jahr fielen erstmals die kaiserlichen Kronacher mit Raub und Plünderung über Ludwigsstadt und seine Nachbarorte her. In den benachbarten sächsischen Landen lagerten 11.000 Mann schwedische Völker die "die ganze Gegend ruinierten und bis aufs letzte aussaugten, so daß die Menschen fast nichts mehr zu ihrem eigenen Bedürfnis hatten".

Plünderungen in den Jahren 1633/34 durch die kaiserlichen Kronacher waren an der Tagesordnung. Viele Einwohner wurden dabei ermordet. Eine Belagerung der Burg Lauenstein durch kaiserliches Kriegsvolk mußte unverrichteter Dinge abgebrochen werden, da die Burg in sehr gutem Verteidigungszustand war. Dafür wurden aber umliegenden Ortschaften geplündert und gebrandschatzt.

Das Jahr 1634 war das schlimmste des ganzen Krieges. Zu all den Schrecken kam die Pest. In Ludwigsstadt, Lauenstein, Ebersdorf, Lauenhain, Ottendorf und Steinbach a. der Haide starben in diesem Jahr 573 Menschen, mehr als die Hälfte der Bevölkerung. Bis zum Ende des schrecklichen Krieges kam es noch häufiger zu Plünderungen, Belagerungen und zu Truppendurchzügen.

Es dauerte viele Jahrzehnte bis sich das Land von dieser Katastrophe wieder einigermaßen erholte.

Die Ritter von Thüna verkauften 1622 Herrschaft und Burg Lauenstein an Markgraf Christian von Brandenburg – Bayreuth.

Seitdem war Ludwigsstadt Bestandteil des "Markgräflich Brandenburg- Bayreuthischen Kastenamtes Lauenstein".

1787 zählte Ludwigsstadt 114 Häuser. Die Bevölkerung umfaßte 660 Einwohner, davon 133 Männer, 141 Frauen, 256 Kinder sowie 60 Gesellen und Mägde.

Sie teilten sich auf in: 107 Handwerker, 15 Bauern, 11 Tagelöhner.

Der Viehbestand betrug zu jener Zeit: 4 Pferde, 99 Ochsen, 42 Stiere, 113 Kühe, 47 Kälber, 207 Schafe und 143 Schweine.

Nach der Abdankung des Markgrafen Alexander von Ansbach – Bayreuth fiel Ludwigsstadt 1792 mit dem Amt Lauenstein an das Königreich Preußen. 1803 kam es durch einen Grenz- und Landestauschvertrag (30. Juni 1803) zwischen Preußen und Bayern zum Kurfürstentum Bayern. 1806 war das Landgericht Lauenstein nach Ludwigsstadt verlegt worden, aber erst 1837 wurde der Name der Behörde in Landgericht Ludwigsstadt geändert.

Auf Grund eines königlich bayerischen Befehls wird Ludwigsstadt seit 1837 mit ss geschrieben. (Ludwigsstadt)

Mit dem beginnenden Niedergang der metallverarbeitenden Industrie im Loquitztal ab ca. 1830 gewann der Schieferbergbau und die Schiefertafelproduktion zunehmend an Bedeutung. Ludwigsstadt und seine Umgebung wurden in den folgenden Jahrzehnten zu einem bedeutenden Zentrum der Schiefertafelindustrie in Deutschland.

Der Bau der Eisenbahnlinie über Frankenwald und Schiefergebirge und der damit verbundene Anschluß an das deutsche Eisenbahnnetz von 1883 bis 1885 förderte den wirtschaftlichen Aufschwung der gesamten Region. Die neue Eisenbahnlinie wurde schon bald zu einer der wichtigen Nord- Süd Verbindungen.

Der Ortsteil Thünahof (mundartlich "Schofig") leitet seinen Namen von dem Geschlecht der Ritter von Thüna ab. Diese besaßen hier ein herrschaftliches Vorwerk. Der ursprüngliche "Schafhof" entstand vermutlich schon zu Beginn des 15. Jahrhunderts. Nach dem Verkauf 1712 teilte man den herrschaftliche Hof und bildete sieben Bauernhöfe daraus.

Der Ortsteil Ottendorf entstand vermutlich schon in der Zeit der ersten Rodungsperiode im 12. Jahrhundert. Der Ort gehörte kirchlich zu Ludwigsstadt. 1412 erhielt er neben Ludwigsstadt, Lauenstein und Ebersdorf das Braurecht verliehen.

Am 1. April 1938 wurde Ottendorf mit einer Fläche von 422 ha und 231 Einwohnern nach Ludwigsstadt eingemeindet.

Der Ortsteil Neuhüttendorf bezeichnet die langgestreckte Siedlung zwischen Ludwigsstadt und Lauenstein entlang der Loquitz. Es ist geteilt in Unter- und Oberneuhüttendorf, ersteres gehört zur Gemarkung Lauenstein, letzteres zur Gemarkung Ludwigsstadt. Der Ortsteil hat seinen Namen von dem im 15. Jahrhundert hier neu entstandenen Industriestandort mit Hammerwerken und Schmelzhütten.

Im 16. Jahrhundert waren hier ein Eisenhammer, der Großbetrieb Saigerhütte, ein Kupferhammer und vier Mühlen in Betrieb.

Bis zum 2. Weltkrieg dominierte auf industriellen Gebiet die Schiefer- bzw. Schiefertafelproduktion. Nebenher bestand ein breitgefächertes Kleingewerbe.

Heute haben Holzverarbeitung, Nahrungsmittelbetriebe, Drahtgewebeherstellung, chemisch-kosmetische Produktion, Brauerei, Werkzeug- und Formenbaubetriebe, Metallverarbeitung, Herstellung von medizinischen Geräten, Energieversorgung, Glas- und Porzellanindustrie und nicht zuletzt auch der Fremdenverkehr eine gesunde wirtschaftliche Struktur im Ludwigsstadt-Tettauer Raum geschaffen.

Ludwigsstadt selbst wurde im Zuge der Gemeindegebietsreform als Unterzentrum ausgewiesen. Seit 1978 bildet es mit den Nachbargemeinden Ebersdorf, Lauenstein, Lauenhain und Steinbach an der Haide die Großgemeinde Ludwigsstadt mit einer Fläche von ca. 5600 ha und rund 4100 Einwohnern.

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