Die Mäuse in den Zapfen
Hör dir die Geschichte hier einfach an:
Du kannst sie hier auch selbst lesen oder dir vorlesen lassen:
Am Anfang der Zeiten, als Himmel, Erde und die Lebewesen geschaffen worden waren, war die Douglasie der größte und mächtigste Baum der Erde. Über und über war sie mit Zapfen bedeckt, die ja nichts anderes sind, als die Kinderstuben für die Samen dieses Baumes. Diese Samen liegen versteckt unter den harten Schuppen der Zapfen. Die Douglasie war sehr stolz auf ihre zahlreichen Kinder, die in den Zapfen heranreiften. Deshalb erschrak sie sehr, als sie eines Morgens bemerkte, dass einige Samen fehlten. Sie konnte sich dies nicht erklären und passte während des Tages auf, ob sich etwas Ungewöhnliches ereignete. Doch es geschah nichts und so schlief die Douglasie am Abend wieder beruhigt ein.
Am nächsten Morgen fehlten wieder einige Samen aus den Zapfen. Nun wusste die Douglasie, dass des Nachts, während sie geschlafen hatte, jemand die Samen gestohlen haben musste. Sie beschloss nun, die nächste Nacht nicht zu schlafen, sondern sich auf die Lauer zu legen. Es wurde dunkel. Die Douglasie spürte, wie sie müder und müder wurde, fast war sie eingeschlafen. Doch da - was war das? Etwas krabbelte sachte den Stamm des Baumes hinauf und huschte auf leisen Sohlen die Äste hinauf, an denen die Zapfen hingen.
Nun kletterte dieses Etwas auf die Zapfen und die Douglasie spürte, wie der unbekannte Eindringling an den unter den Zapfenschuppen verborgenen Samen zu zerren begann. Auch an den anderen Zapfen waren die ungebetenen Gäste am Werk. Da fasste sich die Douglasie ein Herz und ließ die Zapfenschuppen über den Fremdling zuschnappen. Es wurde hell und nun konnte die Douglasie erkennen, wen sie in der Nacht gefangen hatte und wer sich nun verzweifelt bemühte, aus der Falle wieder herauszukommen.
Es waren Hunderte kleiner Mäuse gewesen, die die Samen hatten stehlen wollen und nun mit ihren Köpfen unter den Zapfenschuppen gefangen waren. Und so sieht man noch heute - die Köpfe unter den Zapfenschuppen und die beiden Hinterbeine ins Freie gestreckt.