Märchenpfad Lauenstein

Kleine und junggebliebene große Kinder sind eingeladen, auf 4,5 km die fantasiereiche Welt der Bäume, die geheimnisvolle Natur des Waldes und die sagenumwobenen Geschichten um die Burg Lauenstein kennen zu lernen.

An 14 Stationen weisen Tafeln auf Sagen und Märchen hin. Die Silhouette eines Waldwichtels begleitet die Besucher von Märchen zu Märchen. Im Schiefermuseum Ludwigsstadt ist ein Begleitheft mit den Texten der Märchen und Sagen kostenlos erhältlich.

Der Rundweg führt über Stock und Stein vom Großparkplatz in Lauenstein romantisch durch den geschlossenen Wald entlang eines Bachlaufes bergauf auf den Ratzenberg. Es besteht von hier aus die Möglichkeit, den Aussichtsturm "Thüringer Warte" zu besuchen. Nach dem Köchinnengrab am grünen Band quert der Märchenpfad typische Wiesen und Felder und führt auf dem ehemaligen Röhrensteig bergab zum Ausgangspunkt zurück. Die Wanderung dauert etwa drei Stunden. Festes Schuhwerk und eine gute Wegzehrung sind empfehlenswert. In Lauenstein laden anschließend zahlreiche Gastronomiebetriebe zur Einkehr ein. Für Kinderwagen ist der Pfad nur teilweise befahrbar.

Der Märchenpfad beruht auf einer Initiative des Naturparks Frankenwald, der Stadt Ludwigsstadt, der Confiserie Burg Lauenstein, der Sparkassenstiftung Ludwigsstadt und des Amtes für Landwirtschaft und Forsten Kulmbach. Die Idee dafür lieferte Forstdirektor Michael Schneider vom Amt für Landwirtschaft und Forsten, der den Pfad auch konzipierte.

Die Wanderung auf dem Märchenpfad lässt sich auch gut mit einem Besuch der Burg Lauenstein oder des Schiefermuseums in Ludwigsstadt verbinden.

Vor langer, langer Zeit, als die Welt noch voll war von Märchen und Sagen, waren auch die Baumgeister noch wohlgelitten. Um ihren Wald besser schützen zu können, verwandelten sich die guten Geister von Zeit zu Zeit in Menschen, um in den nahegelegenen Städten und Dörfern den Geschichten der Bürger zu lauschen. Wenn jedoch der Abend nahte, mussten die Baumgeister wieder in den Wald zurückkehren, da der Feenzauber nach Einbruch der Dunkelheit seine Kraft verlor.

Eines Tages jedoch verspätete sich eine der Baumfeen und als sie endlich den Wald erreichte, war es bereits finsterste Nacht. Was die arme Fee auch versuchte, es wollte ihr einfach nicht gelingen, in ihren Baum zurückzukehren. So musste sie bis zum nächsten Morgen im Körper einer alten Frau eingesperrt bleiben. Heulend pfiff der Wind. Er zerrte an ihren Haaren und Kleidern und verstärkte die eisige Kälte. In ihrer Not bat die Fee die Bäume um Schutz, aber diese erkannten sie nicht und zeigten kein Mitleid. "Erst gestern haben mir die Menschen tiefe Kerben in meinen Stamm geschlagen", brummte eine alte Fichte, "soll sie sehen, wie sie weiterkommt!" "Und an uns hat einer sein Schwert gewetzt", jammerte eine Schar junger Tannen mit abgeschlagenen Köpfen. Keiner half der frierenden Frau. Verzweifelt lief sie weiter, bis sie unter einer riesigen Lärche niedersank und Kräfte und Sinne sie verließen.

"Mag sie auch ein Mensch sein", grübelte die Lärche, die im Laufe der Zeit schon manchen menschlichen Frevel ertragen musste, "doch ich bin ein Baum des Lebens, und so will ich mich ihrer erbarmen." Sanft ließ die Lärche ihre Nadeln fallen und hüllte die alte Frau in einen grünen Mantel, wärmte und beschützte sie.

Als am nächsten Morgen die Sonne die Fee weckte und sie ihre grüne Decke und die kahle Lärche sah, versprach sie dem hilfsbereiten Baum zum Dank jedes Jahr ein neues Kleid. Es sollte lichtdurchflutet grün im Frühjahr und golden im Herbst sein. Dieses Versprechen hat sie bis heute gehalten.