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Neue Presse: Ein Bauhaus-Architekt mit Leidenschaft für Schiefer

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In einem Raum mit Wänder voller Fotografien stehen eine Gruppe von Menschen. Darunter ein Frau und der Bürgermeister Timo Ehrhardt. Alle schauen in die Kamera.
©Stadt Ludwigsstadt Bei der Eröffnung der Ausstellung „Der andere Arndt“ (von links): Bürgermeister Timo Ehrhardt, Martin Büchner, Manja Hünlein, Robert Wachter, Siegfried Scheidig, Frank Barteld, Frank Schein und der Beigeordnete der Stadt Gräfenthal, Johannes Eckert. Foto: Stadt Ludwigsstadt

Neue Presse: Ein Bauhaus-Architekt mit Leidenschaft für Schiefer

In Ludwigsstadt ist zurzeit eine ungewöhnliche Sonderausstellung zu sehen. In ihr geht es auch um regionale Bau- und Volkskunde.

LUDWIGSSTADT. Kürzlich wurde im Deutschen Schiefertafelmuseum in Ludwigsstadt eine außergewöhnliche Sonderausstellung eröffnet. Unter dem Titel „Der andere Arndt“ widmet sich die Schau dem Werk des Bauhaus- Architekten Alfred Arndt (1898–1976), der vor allem als Schöpfer des berühmten „Haus des Volkes“ in Probstzella bekannt ist.

Während Arndt in seinen Bauhaus-Arbeiten vor allem weiche, organische Formen in gedämpften, dunklen Farbtönen bevorzugte, zeigt die Ausstellung einen anderen Aspekt seines Schaffens: seine Fotos und detailreichen Zeichnungen von dekorierten Schieferhäusern aus dem Thüringer Schiefergebirge und dem Frankenwald. Besonders fasziniert war er vom Naturprodukt Schiefer und der Kunst der Schieferdecker. Obwohl Schiefer kein typisches Material der Bauhaus-Moderne  ist, integrierte er ihn vielfach in seine Architekturpläne. Auch die traditionelle Stanniolmalerei an den Gebäuden interessierte ihn. Mit einem Lehrling fertigte er zahlreiche Bauaufnahmen an – meist als Mischtechnik: Architekturzeichnungen in Tusche mit aquarellierter Ausmalung. Neben kolorierten Gesamtansichten entstanden viele Detailstudien von Fassaden und anderen Architekturelementen von kultur- und heimatgeschichtlichem Wert.

Ergänzt werden die Zeichnungen durch etliche Schwarzweiß-Fotografien, die heute oft verschwundene Gebäude dokumentieren – vor allem im Gebiet um Probstzella, Gräfenthal sowie im Haßlachtal um Pressig und Neukenroth. In dieser Region war die Stanniolmalerei als Schmuck auf verschieferten Hausfassaden weit verbreitet. Dabei werden Ornamente, Figuren oder Schriftzüge aus Stanniol (Zinnfolie) mithilfe von Schablonen ausgeschnitten und mit Leinölfirnis auf den Schiefer geklebt – eine seit dem 17. Jahrhundert belegte Methode, deren ältestes Beispiel ein Giebel aus Zeyern von 1673 ist, der heute im Museum zu sehen ist. Die ausgestellten Arbeiten zeugen von Arndts Detailversessenheit: Keine Dachdeckung wurde schematisiert, jede einzelne wurde nach Originalbefund wiedergegeben. Die Ausstellung bietet damit auch einen wertvollen Beitrag in die regionale Bau- und Volkskunde.

Bis zum 6. Oktober sind die Werke während der regulären Öffnungszeiten – Dienstag bis Sonntag jeweils 13 bis 17 Uhr – im Deutschen Schiefertafelmuseum zu sehen. Ein Highlight für Besucher: Sie können selbst an einem historischen Pantographen (Storchenschnabel) ausprobieren, wie man Bilder verkleinert.

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