Neue Presse: In der Marienkapelle Ludwigsstadt gehen die Lichter aus

Neue Presse: In der Marienkapelle Ludwigsstadt gehen die Lichter aus
Über viele Jahre hat eine Gruppe von Frauen die altehrwürdige Einrichtung für Veranstaltungen geöffnet. Doch damit soll nun bald Schluss ein.
Ludwigsstadt. Ende dieses Monats findet eine Erfolgsgeschichte ihren Abschluss, die 1988 begonnen hat. Und zwar nach einer archäologischen Grabung an der Marienkapelle im Herzen von Ludwigsstadt: Die Heimatkundliche Arbeitsgemeinschaft (GHAG) machte es sich damals zur Aufgabe, das aus dem ausgehenden 15. Jahrhundert stammende Gebäude und ihre ehemaligen Bewohner nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Zwei Bücher mit Gedichten von Rosa Meinhardt, der Ehefrau des Schmiedes, aber auch über die Entstehungsgeschichte des nun erforschten Gebäudes, das über zweihundert Jahre als Schmiede gedient hatte, wurden in Buchform erstellt.
Einige Frauen aus Ludwigsstadt machten sich zudem Gedanken darüber, wie man dem altehrwürdigen Gebäude an der B 85 neues Leben einhauchen könnte. Anfangs war die gute Stube, wie man das Wohnzimmer früher nannte, ein Treffpunkt zum adventlichen Beisammensein gewesen – ähnlich wie früher eine „Lichtstube“, in der man in der dunklen Jahreszeit zusammenkam: Zum Singen, Musizieren und Geschichten erzählen. Es gründete sich die Marienkapelle Arbeitsgemeinschaft (MAG), eine Gruppe von Frauen, die dann im Erdgeschoss Veranstaltungen anboten, die die Advents- und Weihnachtszeit bereichern konnten. Der Erlös wurde jeweils gespendet.
Nachdem die Frauen öfter angesprochen wurden, wann wieder geöffnet ist, kam man auf die Idee, immer zu den Märkten die Türe zu öffnen und wiederum das Gebäude der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Kleine Konzerte, Lesungen, Vorträge, Ausstellungen und Vorführungen gab es in den Anfangszeiten. Viele Gäste aus den umliegenden Orten kamen, selbst „Ludschter“, die mit der Kapelle lebten, aber noch nie im Inneren waren und über die Geschichte des Hauses und ihrer Bewohner mehr erfahren wollten. Im Untergeschoss wurden dann jeweils zu den Markttagen Dinge verkauft, die die Frauen selbst hergestellt hatten. Viele Sachen werden vorbeigebracht und wurden für gute Zwecke verkauft. Dann kam Corona. Lange Zeit musste auch dieses Haus geschlossen bleiben.
Weil sich aber der Raum immer mehr füllte, mit Sachen, die die einen nicht mehr brauchten, andere aber schön fanden, hat sich die MAG entschlossen, jeden Freitag am Vormittag zu öffnen. Es gab viele schöne Begegnungen, Gespräche sowie viel Interesse am Bau selbst. Das Anliegen in all den Jahren war, Nützliches zu tun, in dem Dinge eine Wiederverwendung finden konnten. Zudem war es den Mitstreiterinnen ein Anliegen, jungen Menschen in Entwicklungsländern Hilfe zur Selbsthilfe zu anzubieten, Bildung und Ausbildung zu ermöglichen. Relevant war auch der Aspekt, dies an christliche Einrichtungen weiterzureichen. Auch der Diakonieverein am Ort erhielt jeweils ein Drittel der Jahreseinnahmen. „Nun aber ist Zeit, Abschied zu nehmen von einer uns lieb geworden Tätigkeit“, heißt es in einer Mitteilung der MAG. Die Erklärung: „Wir Frauen sind in die Jahre gekommen.“
Die letzte Gelegenheit, das Haus zu besuchen, besteht am Schützenfestsonntag nachmittags sowie am Freitag, 25., und Samstag, 26. Juli, jeweils von 10 bis 12.30 Uhr. Nachdem nicht alles restlos verkauft werden kann, gibt es die Möglichkeit, die im Haus verbliebenen Waren bei Petra Reuter, Gaststätte am Marktplatz in Ludwigsstadt, zu erwerben. Geöffnet ist hier Samstag, Dienstag und Mittwoch von 9 bis 11 Uhr und ab 16 Uhr. Der Erlös aus dem Verkauf wird in Einrichtungen gegeben, die die Not vieler Kinder auf den Philippinen erträglicher macht.